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Hello, Robot. Hello, Bot.

17 Mar 2017

 

Zwischen Mensch und Maschine 

 

"Roboter sind überall. Zumindest in den Medien sind sie allgegenwärtig. Doch auch in unserem Alltag sind die intelligenten Maschinen weiter verbreitet als viele annehmen. Schon heute sind Autos, Waschmaschinen, Geldautomaten und vieles mehr zumindest teilrobotisch. Und in Zukunft - so viel ist gewiss - wird unsere Umwelt immer intelligenter, selbstlernender und autonomer." So heißt es im Ausstellungstext zu "Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine".

 

In der Ausstellung gibt es konkrete Beispiele aus unterschiedlichsten Disziplinen zu sehen, die die Entwicklung von Robotern und robotischer Systeme mit ihren vielfältigen Facetten erzählen: Science Fiction, Industrie 4.0, Deep Learning, IoT, Smart Home, Singularität, Biohacking und weitere. Die Ausstellung, die die Interaktion und Beziehung zwischen Mensch und Maschine unter verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet, regt dazu an, sich mit der äußerst widersprüchlichen Thematik auseinanderzusetzen. Seit jeher ist die Debatte um den richtigen Umgang mit Robotik von Ambivalenz geprägt und spannt zwischen Begeisterung und Kritik, Hoffnung und Sorge, Utopie und Dystopie. Wo sind die Grenzen zwischen Mensch und Maschine? Diese Frage stellt sich nicht nur bei Neil Harbisson, Künstler und Cyborg-Aktivist, der durch eine in seinem Schädel implantierte Antenne in der Lage ist, Farbe zu "hören", und offiziell als Cyborg anerkannt ist. Auch die Grenzen zwischen räumlicher Umgebung und Maschine sind fließend. Die Idee der "Wohn-Maschine" lässt sich auf der robotischen Ebene weiterentwickeln, wobei sich die smarte Gestaltung von Häusern und Wohnungen auch auf Stadt und Landschaft ausdehnt.... da lässt sich wohl Graaskamp's Zitat weiterdenken zu "it's the void plus the algorithm, not the solids"?!

 

Einen weiteren interessanten Aspekt der "Robotisierung" bringt die kürzlich veröfffentlichte Studie "Online Human-Bot Interactions: Detection, Estimation, and Characterization" der University of Southern California und Indiana University an's Licht. Die Wissenschaftler um Onur Varol haben festgestellt, dass zwischen 9% und 15% der aktiven Twitter-Accounts, die ihre Inhalte in englischer Sprache verbreiten, von sogenannten "Bots" betrieben werden - und nicht von Menschen. Twitter hingegen schätzte die eigene Bot Population in einem Report im Jahr 2014 lediglich auf zwischen 5% and 8.5% ihrer Nutzer. Diese Bots führen als (teil)autonome Progamme bestimmte sich wiederholende Aufgaben aus, wie z.B. das selbstständige Verfassen von Tweets zu bestimmten Themen. Da könnten einem schon mal ein paar Frage aufkommen: Mit wem verbringe ich hier eigentlich meine (Frei)Zeit? Und ab wann verselbstständigen sich die Twitter-Bots und bespielen sich gegenseitig ohne menschliches Zutun? 

 

Erinnern wir uns an "Tay", die am 23. Mai 2016 mit "hellooooooo world!!!" die Twitter-Community begrüßte.  Der Chatbot wurde ursprünglich von Microsoft mit dem Ziel entwickelt, sich mit realen Twitter-Usern auszutauschen, um so das Sprachverstehen und Lernverhalten des auf künstliche Intelligenz basierenden Algorithmus genauer zu erforschen. Allerdings entwickelte sich das Experiment anders als erhofft, so dass "Tay" schon nach einigen Stunden wieder offline geschaltet werden musste, nachdem sie sexistische, rassistische, politisch inkorrekte und hetzerische Tweets von sich gab. Der Chatbot nahm ungefiltert auf, was die Community ihr (teils bewusst) vorsetzte. Das Beispiel zeigt nicht nur, wie komplex unsere zwischenmenschliche Kommunikation abläuft, im besonderen wenn sie mit Moral und Ironie aufgeladen ist, sondern auch, dass die systematisierte Intelligenz der Maschinen bei der Bewertung der ihr zugeführten Informationen (noch) Optimierungsbedarf hat und für Missbrauch anfällig ist... shit in, shit out.

 

Wer sich einen umfassenden und erkenntnisreichen Einblick zu dem Thema Robotik verschaffen will, sollte der zu Beginn genannten Ausstellung "Hello, Robot." einen Besuch abstatten. Prädikat: absolut sehenswert und Horizont erweiternd! 

 

Ausstellung 11.02. - 14.05.2017 | Mo - So 10:00 - 18:00

Vitra Design Museum . 79576 Weil am Rhein | www.design-museum.de

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